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Ägyptenaustausch vom 10.10. – 21.10.2018

Eine Reise in eine fremde Welt

Deutschland und Ägypten – zwei völlig verschiedene Länder! Ein gewisser Kulturschock machte sich schon bei unserer Ankunft in der Hauptstadt Kairo bemerkbar und bestätigte sich in den darauffolgenden Tagen umso mehr. Gleich in den ersten Minuten in der Metropole schien uns das heiße und schwüle Klima dazu zu verleiten, uns die Pullis vom Leibe zu reißen. Jedoch sind leichte Sommeroutfits hier alles andere als gern gesehen, da diese einen großen Widerspruch zur ägyptischen Kultur darstellen. Nachdem unsere Gastfamilien uns herzlichst begrüßten, wurden wir auf der Fahrt in unser neues Zuhause - für die nächsten acht Tage - aufgrund des äußerst rasanten Fahrstils in die Sitze gepresst. Sicherheitsgurte, Ampeln und jegliche Verkehrsregeln scheinen Fremdwörter für die Ägypter zu sein. Im Gegensatz zu Scheinwerfern darf in einem ägyptischen Auto die ständig genutzte Hupe nicht fehlen. Dellen und Kratzer runden ein perfektes Auto ab. Doch hinter all diesem Chaos und Durcheinander steckt eine gewisse Taktik und ein System. Wir nannten dies „geordnetes Chaos“. Zu unserer Verblüffung sahen wir auf den langen Fahrten nie einen Unfall, denn jeder hier verfolgt das Ziel unfallfrei anzukommen.

Auch die Gastfreundschaft, vor allem in den Familien, überwältigte uns immer wieder aufs Neue. Ein starker Zusammenhalt in der Familie steht hier an erster Stelle. Merkmale wie Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit bemerkten wir ebenfalls sehr schnell. Mit offenen Armen wurden wir in der Familie aufgenommen, sodass sie uns am Schluss nur mit dem Versprechen wieder zu kommen gehen ließen.

Am nächsten Morgen ging es schon früh mit dem Bus, der uns vor der Haustüre abholte, in die Nefertari Schule. In den ersten drei Stunden besuchten wir den Unterricht, der um einiges lockerer gestaltet ist als bei uns. Dies ist besonders im Umgang mit den Lehrern zu erkennen. Danach wurde in der Schule eine kleine Begrüßungsfeier für uns Gastschüler veranstaltet, bei der wir einen kleinen Einblick in das ägyptische Essen bekamen, das uns generell in viel zu großen Mengen angeboten wurde. Da Zucker in Ägypten Wohlbefinden und Freude verdeutlicht, darf dieser in Süßspeisen und Getränken auf keinen Fall fehlen. Auch an für uns exotischem Fleisch wie dem von Taube oder Hase, aber vor allem Hähnchen wird nicht gespart. Reis, Pita und verschiedene Aufstriche (Humus, Bohnenpaste, etc.) sind häufige Bestandteile des Essens. Allgemein lässt sich sagen, dass Essen eine sehr große Rolle spielt und die Ägypter sehr stolz darauf sind. Jedoch war das ständige Angebot noch mehr zu essen und zu probieren teilweise fast aufdringlich und unangenehm.

In den darauffolgenden Tagen besuchten wir die Pyramiden, ritten auf Pferden und Kamelen durch die Wüste, was unser absolutes Highlight war, besuchten eine traditionelle Tanura Show (Tanz und Gesangsshow), besichtigten die Altstadt und machten eine Nilschifffahrt.

Außerdem gestalteten die Gastschüler, meistens zusammen, unsere Freizeit, unter anderem durch einen Besuch des Escape Rooms und Shoppingmalls. Auch in der deutschen Botschaft wurden wir herzlichst empfangen und erhielten neue Informationen. Auf der langen Fahrt nach Alexandria, wo wir die Bibliothek, das evangelische Seemannsheim und die Zitadelle besichtigten, kamen wir in ein interessantes Gespräch mit unseren Gastschülern.

Diese erklärten uns die Unterschiede zwischen Ägypten und Deutschland, vor allem hinsichtlich der Kultur bzw. Religion. Angefangen mit dem Verhältnis zwischen Mann und Frau, bzw. Jungs und Mädchen, welches sich allein auf verbaler Ebene abspielt. Dieses merkten wir bereits bei unserer Ankunft in Kairo, als wir die Gastschüler eigentlich spontan umarmen wollten, diese uns aber die Hand entgegenstreckten. Körperkontakt zwischen Mann und Frau vor der Ehe wird hier als unrein betrachtet, während unter Freunden gleichen Geschlechts dieser nicht gescheut wird. Ferner sollte man erwähnen, dass Homosexualität in Ägypten im Gegensatz zu Deutschland ein absolutes Tabu-Thema ist. Als besonders interessant empfanden wir die Ansicht, dass der Körper eines Muslims niemals sein Eigentum, sondern das des Gottes Allah ist und somit alles, was dem Körper schadet, Haram (=Sünde) ist. Dies erklärt auch warum Alkohol, Drogen etc. streng verboten sind. Jedoch verwunderte es uns dafür umso mehr, warum in Ägypten so viele Schischa rauchen. Die schwerwiegendste Sünde ist, Selbstmord zu begehen. Nach dem Tod entscheidet dann die Muße der guten Taten bzw. Sünden darüber, ob der Mensch in den Himmel oder in die Hölle kommt. Obwohl die Gastfamilien alle dem Islam angehörten, bemerkten wir eine gewisse Offenheit gegenüber dem Christentum.

Abschließend kann jeder von uns sagen, dass wir eine unbeschreiblich schöne Zeit hier in Kairo verbracht haben. Auch wenn uns anfangs noch ein wenig mulmig war, die nächsten zwei Wochen in einem Land zu leben, das kaum unterschiedlicher zu Deutschland sein könnte, hat sich dieses Gefühl sehr bald gelegt und zum Gegenteil gewendet. Selten haben wir uns so willkommen, behütet und versorgt gefühlt. Jegliche Erwartungen wurden übertroffen. Direkt im ägyptischen Leben gewesen zu sein und dieses miterlebt zu haben, ist unvergesslich und die Erfahrungen und Erlebnisse, die sich daraus entwickelt haben, werden ab jetzt ein Teil unseres Lebens sein. Ohne jegliches Zögern würde jeder von uns wieder ins Flugzeug nach Kairo steigen, um dieses Abenteuer erneut zu erleben.

Annika Wieck, 10d und Susanna Hufnagl, Q11

Besuch aus unserer ägyptischen Partnerschule Nefertari International Schools Kairo

Vom 12.10. – 20.10.2017 statteten 12 Schülerinnen und Schüler der Nefertari International Schools in Kairo, begleitet von zwei Lehrerinnen, dem Gnadenthal-Gymnasium einen Besuch ab. Die Schule und die sehr engagierten Gastfamilien sorgten dafür, dass die Gäste aus Ägypten einen guten und vielfältigen Eindruck von Land und Leuten bekamen. In einer erlebnisreichen Woche erkundeten die Schülerinnen und Schüler zunächst Ingolstadt. Sie bekamen einen Einblick in die Geschichte der Stadt, wurden von Bürgermeister Sepp Mißlbeck offiziell begrüßt und besuchten eine Führung durch das „museum mobile“ und die Produktion bei Audi. Weitere Ausflüge führten die Gruppe nach Nürnberg, München und zuletzt Eichstätt. Dort begrüßte sie Dr. Peter Nothaft, der Leiter der Schulabteilung, bevor sie Cordula Klenk, die Flüchtlingsreferentin im Bistum Eichstätt, über die aktuelle Situation der Flüchtlinge informierte. Dieses Thema hatten die Gäste als Projektthema gewählt. Die letzte Unternehmung führte noch am Tag der Abreise in die Allianz Arena, bevor der Heimflug nach Kairo anstand. Ein Gegenbesuch der Schülergruppe aus dem Gnadenthal-Gymnasium in Kairo soll im Herbst dieses Jahres die gewonnenen Freundschaften weiter vertiefen.

 

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