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Burn on, Homo sapiens!

Der Buß- und Bettag ist ein wichtiger Tag für Schulen. Für Schüler ist er tatsächlich „schulfrei“, für Lehrerinnen und Lehrer ist er „schülerfrei“ und sie verbringen diesen Tag in der Regel mit schulinternen Fortbildungen.

Neue Wege gingen in diesem Jahr die katholischen Schulen in der Trägerschaft der Diözese Eichstätt.

Auf Anregung und Einladung von Hauptabteilungsleiter Dr. Peter Nothaft fand im Realschulzentrum Kloster Rebdorf ein großer Fortbildungstag zum Thema „Gesundheit“ mit rund 270 Lehrer/innen aus den diözesanen Schulen Ingolstadts, Eichstätts und Abenbergs statt.

Hauptreferent und Arzt Prof. Dr. Kilian Mehl ging der Frage auf den Grund, warum es in der (post)modernen Welt häufig Erschöpfungszustände gibt. War das Leben früher tatsächlich weniger anstrengend, weniger bedroht, mussten die Menschen tatsächlich weniger arbeiten als heute? Wohl kaum. Warum also sind wir mit einem Verlust von Belastbarkeit und einer größeren Toleranz von Stress konfrontiert als noch vor fünfzig Jahren? Mehl führt dies zurück auf einen raschen Biotopwandel, den die heutige Gesellschaft innerhalb kürzester Zeit vollzogen hat: In der Zeitspanne von nur einer Generation haben die Menschen einen radikalen Umbruch erlebt: die fehlende Verbindlichkeit von Werten und Institutionen, den Wandel von Kommunikationsformen, die Beschleunigung aller Prozesse und auch den Verlust einer existenzieller Wirklichkeit zugunsten einer virtuellen Welt. Dabei stellt die Multioptionsgesellschaft Menschen vor die schwierige Situation, wählen und entscheiden zu müssen. In der Folge erleben sich etliche als überfordert und in ihrer Selbstwirksamkeit eingeschränkt, es kommt zu einem Phänomen, das oft als „Burn-out“ bezeichnet wird. Mehl will es als Anpassungsstörung verstanden wissen und zeigt auf, was nötig ist, damit die Anpassung an den Wandel in der Gesellschaft gelingen kann.

Drei wesentliche Faktoren brauchen Menschen, um Stresssituationen erfolgreich zu meistern: Erfahrung – Glaube – Bindung. Personen, die sich als überfordert und chronisch gestresst erleben, müssen (neu) die Erfahrung der eigenen Kraft machen, um ihre Selbstwirksamkeit zurückzuerlangen. Zudem brauchen sie den Glauben an eine vorgestellte Kraft, an etwas, das ihnen Antrieb, Inspiration sowie innere Maßstäbe für das Tun gibt – eine Art Leitsystem also. Geben. Und schließlich braucht es verlässliche Bindungen, man muss (neu) den Glauben in die Fähigkeiten anderer lernen. Diese drei Faktoren sind der beste Gesundheitsschutz – oder eben die Chance für einen Neuanfang in der Krise.

Um den Kopf auf die Beine zu stellen und die Theorie in die Praxis umzusetzen, bot der Lehrergesundheitstag in 20 Workshops ein weites Feld, auf dem die knapp 300 Lehrkräfte Erfahrungen sammeln konnten: bei Yoga, Pilates und Progressiver Relaxation ebenso wie bei Vorträgen zu Stimmbildung, Achtsamkeit oder Darmgesundheit, bei Trommeln und autogenem Training wie bei dem Herstellen von vollwertigen Zwischenmahlzeiten oder Naturkosmetik.

Wichtig ist, den Menschen ganzheitlich mit Körper, Geist und Seele zu sehen, ob nun in Stresssituationen primär körperliche oder psychische Symptome vorliegen. Und auch dem wurde Rechnung getragen beim Lehrergesundheitstag: Ein spiritueller Impuls in der Johanneskirche läutete den Tag ein, ein gemeinsames Mittagessen in der Schulmensa beschloss den Tag, der viele Lehrkräfte inspiriert und gestärkt hat. Und aus dem Motto „Burn on, homo sapiens!“ ist für etliche Lehrkräfte an diesem Tag sicher auch ein „Burn on, homo docens!“ geworden.

 

Barbara Staudigl

 

Burn on, Homo sapiens!

Buchtitel von Prof. Dr. Kilian Mehl, 2013 erschienen bei V&R unipress in Göttingen.

 

Mehl leitet das Krankenhaus für Psychosomatische Medizin und das Seminarzentrums für Persönlichkeits-, Team- und Prozessentwicklung „Die Wollmarshöhe“  in der Bodenseeregion. Klinik und Seminarzentrum sind spezialisiert auf bewältigungsorientierte Verfahren zur Erhaltung oder Wiedererlangung von Gesundheit und Stresstoleranz.

 

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